Ich bin (soweit ich weiss) nicht vorbestraft, habe keine Punkte in Flensburg, zahle meine Steuern, habe keine Leichen im Keller und gehe auch immer brav wählen.

Ich bin jederzeit zu orten, wenn mein Mobiltelefon an ist.
Wenn ich mit meinem Auto auf der Autobahn unterwegs bin, bin ich von Verkehrskameras, meinem Nummernschild, Mautüberwachungssystemen und Kontaktschleifen im Belag ort- und indentifizierbar.
In meinem Bundesland freut sich der Innenminister, dass er ein System an den Start gebracht hat, mit dem Nummernschilder von vorbeifahrenden Autos erfasst und direkt mit einer Datenbank abgeglichen werden können.
Meine E-Mails können unterwegs abgehört werden, mein Websurfverhalten kann bei meinem Provider abgefragt werden. Meine Kontostände sind jederzeit für das Finanzamt abfragbar. Geldabhebungen am Geldautomat, Zahlungen mit Karte hinterlassen eine Spur, wo ich mich zu diesem Zeitpunkt befand, und sind mit Sicherheit auch irgendwo gespeichert und damit abrufbar.

Das alleine kotzt mich schön gehörig an, weil ich mich darauf verlassen muss, dass mich "mein" Staat davor schützt, dass diese Daten kombiniert und verwendet werden. Und was macht dieser Staat?
Er stellt mich unter Verdacht. Einfach so, mal prophylaktisch. Er möchte auch gerne mal einfach so auf meinem Rechner rumschnüffeln. Wahrscheinlich möchte er demnächst auch einfach mal so in meiner Wohnung vorbeikommen und kucken, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Weil, theoretisch ist jeder, der sich in diesem Staat bewegt, ein potentieller Täter. Jeder könnte ja theoretisch irgendetwas Verbotenes tun wollen. Und das möchte dieser Staat nicht. Dieser Staat, der aus den Trümmern eines totalitären Regimes geboren wurde, und dessen Gründer sich Demokratie und Freiheit ganz gross in die Verfassung geschrieben hatten, schränkt diese Freiheiten immer weiter ein, weil

(wir) wissen, wie verwundbar freie und offene Gesellschaften sind und vor welchen Herausforderungen unser Land und die internationale Staatengemeinschaft stehen

(heise.de: CDU: "Datenschutz darf nicht zum Täterschutz werden")

Und für diesen Staat besteht die daraus hergeleitete Logik darin, aus unserer Gesellschaft eine weniger freie und weniger offene Gesellschaft zu machen, denn diese ist ja dann auch weniger verwundbar.

Ich habe das Vertrauen in "unsere" Politiker verloren. Ich traue ihnen keinen Meter weiter als sie mir. Ich glaube, kein einziger derer, die sich da um "unseren" Staat sorgen, tut das, weil er oder sie wirklich um "unseren" Staat sorgt. Ich bin nur noch drei Meter davon entfernt, zusammen mit den Säufern unten am Kiosk zu sagen: Die da oben, die haben alle, alle Dreck am Stecken. Macht korrumpiert, und die sorgen nur dafür, sich die eigenen Taschen vollzustopfen.

Wir leben schon längst in einem feudalen System, und alles andere ist Augenwischerei fürs Wahlvieh.