Marilyn Manson, Turbonegro und ich in der Stadthalle, Offenbach am 3.12.2007

MM TicketJa nun, was soll ich sagen… ich war wegen Turbonegro da und wollte mir mal das Kasperletheater von Brian Warner ansehen. Ich hatte also von vorneherein eine hochgezogene Augenbraue am Start. :-)

Dank perfektem Timings, Druidenwissen und der Kenntnis um die geheimen Parkplätze rund um die Stadthalle kamen wir exakt in dem Moment in die Halle, in dem das Licht ausging und Turbonegro ihre Show begannen. Es folgte ein routiniertes Set, alle Crowdpleaser wurden gespielt, Hank stellte einmal mehr unter Beweis, dass er dummes Zeug auch prima auf Deutsch erzählen kann, Euroboy wird immer dünner, Happy-Tom wurde als Alkoholiker geoutet, aber der ganze Auftritt fand irgendwie mit angezogener Handbremse statt. Ich war einmal mehr erstaunt, dass es offenbar wirklich so ist, dass eine Supportband den schlechteren und vor allem leiseren Sound gemischt bekommt. Wer Turbonegro schon als Hauptact gesehen hat, weiss, wie die Ballern können. Geballert hat das in Offenbach nicht wirklich, wobei es ingesamt ein kompakter runder Auftritt war.

Dann gab es erstmal eine gute Stunde Pause, bis sich MM endlich herabliess, auf die Bühne zu kommen. Derweil gab es genug Gelegenheit, sich das versammelte Publikum anzuschauen, das erstaunlich heterogen war: Von der kompletten Familie mit Turbojugend-Jäckchen über Serverschrankbewohner mit T-Shirt in die Jeans gesteckt über mittelalte Normalos bis hin zu Gothic/Fetish Boys and Girls im Komplett-Outfit: Alle da. Die Korsagen/Mieder und dunkle Eyeliner-Dichte war vielleicht etwas höher als auf anderen Konzerten. Ausserdem habe ich die Inge Meysel der Goten gesehen, brrr… das Bild bekomme ich nicht mehr so schnell aus dem Kopf.

Dat Marilyn hat ordentlich geballert, der Sound war FETT, die Bühnenshow routiniert, kann ich nicht meckern, ich fühlte mich gut unterhalten. Bis zu dem Moment, als völlig unerwartet mitten in einem Song auf einmal ein Bübchen von hinten mit Anlauf in die Menge reinrannte, weil er pogen gehen wollte - und dabei den zwei Meter-Mann, der hinter mir stand, umriss, dieser dann auf mich drauffiel und mit seinem Kopf auf mein Ohr prallte - aua. Sowas hätte ich vielleicht erwartet, wenn ich vorne vor der Bühne gestanden hätte, aber nicht seitlich hinten am Rand. Das Bübchen kann von Glück sagen, dass ich erstmal damit beschäftigt war, meinen Gehörschutz, denn es durch den Aufprall tief ins Ohr hineingedrückt hatte, rauszupopeln und dass der Zweimetermann und sein Freund auch zu perplex waren, um zu reagieren - ich kann sehr jähzornig sein. Lustigerweise kam das Bübchen keine zwei Minuten später völlig verschwitzt wieder zurück und wurde dann erstmal ordentlich zur Rede gestellt. So ein Volldepp.

Das war nicht der einzige Stimmungskiller - nach fast jedem zweiten Song gab es erstmal eine längere Pause, weil irgendwelche neuen Spielzeuge auf der Bühne rumgeräumt werden mussten. Für ein wenig Stimmung in diesen Pausen sorgte die reichlich versammelte Turbojugend, die ständig aus irgendwelchen Ecken der Halle “oooh oooh oooh, I got errection!!!” skandierten. :-)

Nach dem zweiten Song war MM übrigens klar, dass Offenbach “the fucking best Crowd (Kraut?) in Deutschlääänd” sei. Ja klar. Und im letzten Song vor der Zugabe erhob sich MM per Hydraulik und vieeeeel Trockneisnebel unter das Hallendach, nicht ohne sich aber vorher anzuschnallen.

Und weil da so viel Nebel von der Bühne kam, dachten sich auch einige, dass sie das Rauchverbot in der Halle ignorieren können… was - und das habe ich tatsächlich so noch nicht gesehen - die Hallensecurity auf den Plan rief, die durch die Menge ging und freundlich aber bestimmt auf das Löschen der Zigaretten betand. “Wir haben hier Rauchverbot, wissen Sie”.

Insgesamt also ein unterhaltsamer Abend, aber nichts Aussergewöhnliches.

Den Text habe ich zunächst für Blockrocking Beats geschrieben