So,

endlich habe ich meinen Facebook Account gelöscht. Anfang des Jahres hatte ich bereits sämtliche Aktivitäten dort eingestellt, alle meine Inhalte gelöscht.

Wobei, "gelöscht" bei Facebook heisst ja nur, es ist für mich und andere nicht mehr sichtbar; meine (Meta)Daten und Interaktionen und Verbindungen werden wohl bis zum großen Kometeneinschlag in hoffentlich ferner Zukunft auf irgendwelchen Facebookservern liegen bleiben und auch weiterhin deren toxisches Businessmodell anfeuern.

Aber ich will damit entgültig nichts mehr zu tun haben.

Als allerletzten Liebesbeweis hat mir Facebook im "Deaktivieren" Vorgang noch dieses Schaustück an Bettelei vorgesetzt:

Ich MUSS also einen Grund angeben, damit ich gehen kann. Ja klar.

Vorher, übers Jahr verteilt, kamen immer mal wieder diese Pseudo-Notifications (inklusive des roten Kreises mit Zahl drin, hey soviel neue Messages, klickst Du), die mich dazu bringen sollten, auf meiner Illustratoren-Seite doch wieder mehr zu machen. (Wobei ich da wirklich wieder mal mehr machen müsste, aber halt auf meiner eigenen Seite, nicht auf dem Facebook-Aussenposten).

Das ist wie die Ex-Beziehung, die nicht loslassen kann, und ich gehe davon aus, dass mich Facebook auch weiterhin stalken wird, mit ihren ganzen tollen Tools und Trackern und "lade doch Deine Kontakte hoch"-Features und sonstigem Mist, mit denen sie meinen Kontakten die Daten aus der Tasche ziehen.

Als allerletztes Dark-Pattern dient auch das "Deaktivieren" aus dem obigen Screenshot. Denn: Das ist nicht das Gleiche wie "Account löschen". DEN Punkt findet man nur unter dieser URL: https://facebook.com/help/delete_account

Ich habe mich also gerade eben nochmal mit meinen Zugangsdaten angemeldet, daraufhin kam sofort eine freudestrahlende "Willkommen zurück" E-Mail. Dann dem Link gefolgt und siehe da, hier geht es viel weniger weinerlich zur Sache:

Einmal die Mouse durchgeladen und abgedrückt und in 30 Tagen ist dann entgültig Schluss. Next up: Delete Instagram (siehe Update).

Puh.

Update:

Instagram ist nun auch gelöscht. Wenig überraschend gab es hier die gleichen UX Spielchen: Geht man über Profil bearbeiten, findet man nur einen Link, über den man das Konto 'vorübergehend stilllegen' kann. Den eigentlichen Löschen Link findet man nicht, oder er ist so gut versteckt, dass ich nach 5 Minuten rumsuchen die Suchmaschine meines geringsten Misstrauens besucht, und dort dann über Bande den Link zu https://instagram.com/accounts/remove/request/permanent/ gefunden. Auch dort: Man muss einen Grund angebn, der dann im Anschluss nochmal mit einem 'ja, aber Du könnstet ja auch xyz machen' kommentiert wird, und dann der drohende Hinweis, dass man sich nach Löschen nie wieder mit dem Nutzernamen ein neues Konto machen könne.

Boah ey.

Update nach dem Update:

Erneut ist Facebook negativ aufgefallen. Die NYTimes hat interne Dokumente ausgewertet und aufgedeckt, dass FB wohl munter Nutzerdaten ohne Einstimmung der Nutzer mit anderen Unternehmen geteilt hat, um sich gegenseitig beim Wachsen einen Gefallen zu tun. Unter anderem Netflix durfte so wohl auch auf die privaten Nachrichten zugreifen. Von Voluen her geht es wohl um eine deutliche Größere Menge, als das, was da beim "Cambridge Analytica" Skandal hochkochte. Als nettes weiteres Schmankerl kommt raus, dass FB die Telefonnummern, die man aus Sicherheitsgründen für die 2FA (Zwei-Faktor-Autorisierung) angeben soll, ebenfalls für Werbetreibende als Target zur Verfügung stellte.

Was für ein Drecksladen, sorry.

Es vergeht fast keine Woche mehr, in der nicht neue Belege für ein aggressives, ja ruchloses Verhalten den eigenen Nutzern gegenüber ans Licht kommen. Und immer wieder beweist die Führung des Unternehmens auch, dass sie nie ein Gespür dafür hatte, was man Menschen zumuten kann, was nicht – und was man tun muss, wenn man Mist gebaut hat.

UpdateUpdateUpdate

Netzpolitik hat die Datenskandale von 2018 handlich zusammengefasst.

Ein älterer Artikel in der NY-Times erläutert, warum zu kurz gedacht ist