Von einem der auszog, um sich einen Spreadshirt-Shop zu machen und dann gleich mal mit Anlauf in die Absurditäten des (deutschen?) Markenrechts und teil-automatisierter Plattformentscheidungen rein rannte.

Wie aufmerksame Leser meiner Bloghütte vielleicht wissen, mache ich nebem meinem Tages-Shop als Website-Flüsterer auch noch so sporadisches Design- und Illustrationsgedöns. Im Zuge dessen haben sich über die Jahre so einige Ideen und Motive angesammelt, die in der Schublade oder im Online-Portfolio liegen, aber aufgrund des Overheads bei "echtem" Druck und der Notwendigkeit, da in Masse und in Vorleistung zu gehen, nicht realisiert wurden.
Daher kam ich kürzlich auf die Idee, mal die Optionen für Print-On-Demand auszuchecken, recherchierte ein wenig bei den Anbietern rum und entschloss mich, einen Spreadshirt-Shop dafür zu machen.

Die Endpreise sind natürlich teuerer als bei einer traditionellen Auflagendruckerei, aber für mich liegt der Vorteil bei Spreadshirt vor allem darin, dass das komplette Fulfillment, also Zahlungsabwicklung, Versand etc, von denen übernommen wird. Dafür nehme ich in Kauf, dass ich relativ wenig "verdiene" an einem verkauften Artikel. Wie gesagt, es ist derzeit eh nicht mein Hauptanliegen, da was zu verdienen, sondern ich fände es halt nett, wenn meine Ideen auch mal in der Welt da draussen sichtbar werden, nicht nur digital.

Weil ich aber keinerlei Erfahrungen mit dem ganzen Procedere habe, entschied ich mich, erstmal nicht meine Illustrationen direkt zu verwenden, sondern machte zwei alberne Shirtmotive, die ich auch selbst tragen würde, an denen aber nicht mein Illustratoren-Herz hängt: Zwei Coverversionen des Styles des RUN DMC Logos - einmal als "Foo / Bar" für die werten Coding-Nerdkollegen, und einmal als "EAD / GBE" für die Gitarrenmenschen.

Als Fingerübung hinsichtlich Produktauswahl und dem ganzen Setupkram der Spreadshirt-Anwendung war das genau richtig - ich investierte gut zwei Abende, die ganzen Variationen und Anordungen durchzuspielen, bis ich den Shop soweit hatte, dass er für mich sinnvoll erschien und nur Produktvarianten zeigte, die mir zusagten. Da ich generell lieber mit reduzierten Farben und Formen arbeite, wollte ich natürlich nicht, dass die Entwürfe in allen denkbaren Größen und auf allen Produkten von iPhone-Hülle bis Brotdose auftauchen. Mein Shop, meine Regeln. (you wish).

FOO/BAR Spreadshirt Cap
Abbildung: Spreadshirt

Ich habe das nicht an die große Glocke gehängt, mal kurz auf Twitter ein Signal gesendet und ansonsten im direkten persönlichen Umfeld um Feedback gebeten.
Erwartungsgemäss passierte erstmal nichts - der Shop ist nun knapp zwei Wochen erreichbar, wenn man weiss, wo man ihn findet, und verkauft wurde nichts. Ich habe mir selbst ein Shirt und eine Basecap mit dem "FOO / BAR" Motiv bestellt, um die Bestellstrecke zu testen und damit ich auch mal was in der Hand habe, so wegen Druckqualität und check der Materialien.

Sehr erstaunt war ich dann gestern, als ich beim Blick in das Shop-Dashboard feststellte, dass ein Motiv, nämlich die "EAD / GBE" Variante, von Spreadshirt abgelehnt wurde, mit dem lapidaren Vermerk "Urheberrecht".

EAD/GBE
Screenshot: Spreadshirt-Nachricht im Dashboard

Ookay… aus Interesse fragte ich bei Spreadshirt nach, in wie weit bei diesem Buchstaben Farbbalken Ding eine Schöpfungshöhe erreicht sei, die "Urheberrecht" auf den Plan ruft, und tatsächlich bekam ich heute eine interessante Antwort.

Seit 2017 hat ein DJ aus Kassel sich DAS RUN DMC Logo als Marke eintragen lassen. Und daher ist meine Spielerei eine "Marken-Parodie" und verstösst gegen die Bedingungen bei Spreadshirt und deshalb ist das Design aus dem Shop geflogen.

Fassen wir zusammen: $jemand sichert sich den RUN DMC Entwurf als Wortbildmarke. Alleine das finde ich ja schon einigermassen überraschend, aber anscheinend hatte niemand Einwände dagegen - oder vielleicht ist der Kollege aus Kassel ja der offizielle RUN DMC Repräsentant für Deutschland, wer weiss. Also weil $jemand sich die Markenrechte an einem vermutlich fremden Entwurf sichert, kann $ich mir kein augenzwinkerndes Nerdhemdchen drucken, obwohl ich das Artwork dafür hier selbst gemacht habe.

Tolle Welt ist das da im Marken- und Urheberrechteland. 🤷‍♂️

Ich hätte mir ja denken können, dass das Logo, obwohl es in gefühlt 100.000 Varianten (zb FCK/AFD oder RUN/FFM) auf Aufklebern und sonstigen Sachen in der freien Wildbahn gesichtet wird, nicht frei ist und mache hier auch niemandem ausser mir selbst einen Vorwurf und an den beiden Logo-Ideen hängt nun wirklich nicht mein Herz. Das war ja mit Ansage ein Test und mit Vorsatz quasi keine Kreativexplosion. Aber das Bemerkenswerteste an der ganzen Sache finde ich, dass da ein Mensch aus Kassel die Rechte in Deutschland an dem originalen RUN DMC Logo Entwurf hat. Faszinierend, zumal RUN DMC ja Amazon und Wallmart wegen Markenverletzung in den USA auf 50Mio verklagt haben - ziemlich genau zu der Zeit, in der die Wortbildmarke in DE angemeldet wurde.